Seit dem 19. August 1926 gehören Omnibusse fest zum Dessauer Stadtbild. Was mit drei Fahrzeugen und zwei Linien begann, entwickelte sich in hundert Jahren zu einem modernen und nachhaltigen Nahverkehrssystem. Das Jubiläumsjahr 2026 lädt dazu ein, auf wichtige Meilensteine, besondere Fahrzeuge und bewegte Zeiten zurückzublicken.
100 Jahre Omnibusverkehr
Mobilität mit Geschichte
1926
Büssing
1936
MAN
1945
Gräf
1958
DO56
1972
Ikarus
1984
Ikarus
1990
MAN
1994
MAN
1997
Renault
2006
MAN
2014
MAN Lion City Erdgas
2026
MAN
Zum Jubiläum kostenlos unterwegs
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Die „Knochenmühle“ – ein früher Anfang
Die Geschichte des Dessauer Nahverkehrs begann schon Ende des 19. Jahrhunderts. Damals verkehrte ein pferdegezogener Linienomnibus, der im Volksmund den wenig schmeichelhaften Namen „Knochenmühle“ trug. Komfortabel war die Fahrt offenbar nicht: Mangels Fahrgästen wurde der Betrieb bereits nach wenigen Monaten wieder eingestellt.

1926 – der Omnibusverkehr beginnt
Mit dem Wachstum der Stadt entstanden neue Wohngebiete und Arbeitsstätten, die nicht wirtschaftlich mit der Straßenbahn erschlossen werden konnten. Deshalb nahm die Dessauer Straßenbahngesellschaft am 19. August 1926 die ersten beiden Omnibuslinien nach Alten und zur Ziebigk-Siedlung in Betrieb. An Sonn- und Feiertagen fuhren die Busse zusätzlich nach Großkühnau.
Zum Einsatz kamen drei moderne Büssing-Omnibusse mit jeweils 28 Sitzplätzen. Ihre Aufbauten wurden in der Dessauer Waggonfabrik gefertigt – die ersten Dessauer Linienbusse waren damit auch ein Stück lokaler Industriegeschichte.
Ein Netz wächst
Der neue Omnibusverkehr entwickelte sich rasant. Bereits Anfang der 1930er-Jahre umfasste das Netz neun Linien mit einer Gesamtlänge von mehr als 93 Kilometern. 16 Busse mit über 500 Sitzplätzen verbanden Dessau nun auch mit zahlreichen umliegenden Gemeinden.
Schon damals suchte man nach alternativen Antrieben: Versuchsweise wurde Stadtgas als Kraftstoff eingesetzt – ein früher Vorläufer späterer umweltfreundlicher Antriebskonzepte.


Zerstörung und Neuanfang
Während des Zweiten Weltkriegs erschwerte der Benzinmangel den Busbetrieb erheblich. Ab 1942 wurden die Fahrzeuge deshalb erneut mit Stadtgas betrieben. Die schweren Luftangriffe auf Dessau im März 1945 zerstörten schließlich fast den gesamten Fuhrpark. Von mehr als 60 Omnibussen blieben lediglich drei erhalten.
Trotz der gewaltigen Schäden konnte der Linienverkehr bereits am 15. August 1945 auf zwei Strecken wieder aufgenommen werden. Instandgesetzte Busse und Anhänger hielten den Verkehr in den schwierigen Nachkriegsjahren aufrecht.
Doppeldecker und Ikarus-Busse
In den 1950er-Jahren begann der schrittweise Wiederaufbau des Fuhrparks. Neben neuen Fahrzeugen kamen unter anderem gebrauchte Berliner Doppeldecker des Typs Do 56 zum Einsatz. Gleichzeitig wuchs das Liniennetz bis nach Roßlau und in den Kreis Zerbst.
In den 1980er-Jahren prägten vor allem die ungarischen Ikarus-Busse das Dessauer Stadtbild. 1987 erreichte der Bestand mit 67 Omnibussen seinen historischen Höchststand.


Aufbruch in eine neue Zeit
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Nahverkehr umfassend modernisiert. 1992 erhielt Dessau 20 neue Busse des Typs MAN SL 202. Ein Jahr später wurde die Dessauer Verkehrs GmbH gegründet.
Die DVG setzte von Anfang an konsequent auf Niederflurbusse und gehörte damit bundesweit zu den Vorreitern eines barrierefreien Nahverkehrs. Der stufenlose Einstieg erleichterte insbesondere älteren Menschen, Fahrgästen mit eingeschränkter Mobilität und Familien mit Kinderwagen die Fahrt.
Neue Knotenpunkte für die Stadt
1994 wurde der neue Busbahnhof am Bahnhofsvorplatz eröffnet. Mit sieben Bussteigen entstand ein modernes Bindeglied zwischen Bus und Bahn, das bis heute den zentralen Verkehrsknotenpunkt in Dessau-Roßlau bildet.
1998 bezog die DVG ihre neue Betriebsstelle in der Erich-Köckert-Straße. Verwaltung, Leitstelle und Betriebshof wurden damit an einem gemeinsamen Standort zusammengeführt.


Dessau setzt auf Erdgas
2001 begann für die Dessauer Busflotte eine neue Ära. Die DVG führte eine der ersten nahezu vollständig erdgasbetriebenen Stadtbusflotten Deutschlands ein. Ab August 2002 prägten 20 MAN-Erdgasbusse das Stadtbild und machten Dessau zu einer Vorreiterin umweltfreundlicher Antriebstechnologien.
Nach dem Elbe-Mulde-Hochwasser 2002 erhielt die DVG zudem einen von MAN gestifteten Linienbus. Mit der Aufschrift „Wir sitzen alle in einem Bus!“ wurde er zu einem besonderen Symbol für Solidarität und Wiederaufbau.
Dessau und Roßlau rücken zusammen
Im Juli 2009 wurden das Regionalbusnetz in und um Roßlau und das Dessauer Stadtbusnetz in einem gemeinsamen Fahrplan- und Tarifgebiet zusammengeführt. Damit rückten beide Stadtteile auch im öffentlichen Nahverkehr enger zusammen.
Seit der Neuordnung des Netzes im Jahr 2017 bilden zehn Tages- und sechs Nachtbuslinien die Grundlage des heutigen Busangebots in Dessau-Roßlau.


2026 – der Busverkehr kehrt in den Eigenbetrieb zurück
Zum 1. Februar 2026 hat die DVG den Buslinienverkehr wieder in den Eigenbetrieb übernommen. Die eigenverantwortliche Organisation schafft mehr betriebliche Flexibilität und eröffnet neue Möglichkeiten, das Angebot bedarfsgerecht, kundenorientiert und wirtschaftlich weiterzuentwickeln.
Ein sichtbares Zeichen des Neustarts ist die neue Busflotte. Elf neue Busse des Typs MAN Lion’s City 12 G EfficientHybrid wurden im Juni 2026 in Betrieb genommen. Insgesamt schafft die DVG 18 neue Busse an. Sie werden mit Bio-Erdgas betrieben und lösen schrittweise die bisherige Busflotte ab.
Für die Fahrgäste bedeutet die Modernisierung vor allem mehr Komfort: Die neuen Fahrzeuge verfügen über barrierefreie Einstiege und eine zeitgemäße Ausstattung. Mit der Rückkehr in den Eigenbetrieb und der Erneuerung ihrer Flotte schlägt die DVG im Jubiläumsjahr ein neues Kapitel des Dessauer Busverkehrs auf.
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