Dessau-Roßlau, 09. Juli 2026 – Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben die Stadtwerke Dessau heute offiziell den Bau einer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (iKWK) im Stadtteil Zoberberg gestartet. Das Projekt markiert einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer klimafreundlichen und zukunftssicheren Wärmeversorgung in Dessau-Roßlau. Auf dem Gelände neben dem Umspannwerk Alten entsteht in den kommenden Monaten eine moderne Energiezentrale, die künftig das Wohngebiet Zoberberg, das Klinikum sowie weitere Bereiche des Fernwärmenetzes zuverlässig mit Wärme versorgen wird.
Zum offiziellen Baustart begrüßten die Stadtwerke zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Neben Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze nahmen Jacqueline Lohde, Beigeordnete für Bauen und Stadtgrün, DVV-Geschäftsführer Dino Höll, Vertreter der Fernwärmeversorgungs-GmbH Dessau, der beteiligten Planungs- und Bauunternehmen, des Klinikums sowie zahlreiche Projektpartner am Spatenstich teil.
Der symbolische Baubeginn steht für weit mehr als die Errichtung einer neuen Energieanlage. Mit der iKWK-Anlage am Zoberberg wird ein weiterer zentraler Baustein des Fernwärme-Transformationsplans der Stadtwerke Dessau umgesetzt. Ziel ist es, die Wärmeversorgung schrittweise von fossilen Energieträgern zu lösen, den Anteil erneuerbarer Energien kontinuierlich zu erhöhen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit für die Bürgerinnen und Bürger langfristig zu gewährleisten.
„Mit der neuen iKWK-Anlage schaffen wir die Voraussetzungen für eine sichere, moderne und zunehmend klimaneutrale Wärmeversorgung im Dessau-Roßlau. Das Projekt zeigt, dass die Wärmewende vor Ort konkret umgesetzt wird, denn hier entsteht eine Infrastruktur, die über Jahrzehnte hinweg einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Lebensqualität in unserer Stadt leisten wird“, sagte Jacqueline Lohde, Beigeordnete für Bauen und Stadtgrün.
Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze würdigte die Bedeutung des Vorhabens: „Die Transformation der Wärmeversorgung gehört zu den wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre. Mit Projekten wie der iKWK-Anlage am Zoberberg wird deutlich, wie innovative Technologien, wirtschaftliche Vernunft und Klimaschutz erfolgreich zusammenwirken können. Solche Investitionen schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die Energiewende vor Ort erfolgreich umgesetzt werden kann.“ so Schulze.
Stadtwerke-Geschäftsführer Dino Höll betonte die strategische Rolle des Projekts innerhalb der Unternehmensgruppe: „Die Anlage am Zoberberg steht beispielhaft für die neue Generation der Wärmeversorgung. Sie verbindet Versorgungssicherheit mit hoher Energieeffizienz und einem deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien. Mit diesem Projekt setzen wir unseren Transformationspfad konsequent fort und investieren nachhaltig in die Zukunft unserer Stadt. Mein Dank gilt allen Planern, Bauunternehmen, Fördermittelgebern und Partnern, die dieses anspruchsvolle Vorhaben möglich machen“, so Höll.
Innovatives Erzeugungskonzept für eine nachhaltige Wärmeversorgung
Die neue Energiezentrale wird als innovative Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (iKWK) errichtet. Dabei werden verschiedene Technologien intelligent miteinander verknüpft, um die vorhandenen Energiequellen möglichst effizient zu nutzen und die Wärmeversorgung flexibel an die jeweiligen Anforderungen anzupassen.
Kernstück der Anlage sind zwei Blockheizkraftwerke mit jeweils 2,5 Megawatt elektrischer und 2,8 Megawatt thermischer Leistung. Sie erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme und erreichen dadurch besonders hohe Wirkungsgrade. Die Aggregate werden zunächst mit Erdgas betrieben, sind jedoch bereits so ausgelegt, dass sie perspektivisch auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt werden können.
Ergänzt wird das System durch eine Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von 1,3 Megawatt, die die Umgebungsluft als erneuerbare Wärmequelle nutzt. Hinzu kommen ein Elektroheizkessel mit 0,9 Megawatt Leistung, zwei Heißwasserkessel mit jeweils 3,3 Megawatt thermischer Leistung sowie zwei Wärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von jeweils 150 Kubikmetern. Eine Photovoltaikanlage auf den Dachflächen der Energiezentrale liefert zusätzlich regenerativen Strom für den Anlagenbetrieb.
Das Zusammenspiel dieser Komponenten ermöglicht eine besonders flexible Fahrweise. Während die Wärmepumpe und künftig weitere grüne Wärmequellen die Grundlast decken, können die Blockheizkraftwerke insbesondere in den Wintermonaten bedarfsgerecht zugeschaltet werden. Die integrierten Wärmespeicher sorgen dafür, dass erzeugte Wärme zwischengespeichert und zeitversetzt genutzt werden kann. Dadurch steigt die Effizienz des Gesamtsystems erheblich.
Die Anlage wird jährlich rund 27,2 Millionen Kilowattstunden Wärme in das Fernwärme-Netz einspeisen. Rund 80 Prozent der Wärme werden durch die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung bereitgestellt. Bereits zum Start wird ein Anteil von rund 20 Prozent erneuerbarer Wärme erreicht. Langfristig soll das Versorgungsgebiet Zoberberg nahezu vollständig mit erneuerbaren Energien und umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung versorgt werden.
Für die Realisierung des Projekts investieren die Stadtwerke rund 15 Millionen Euro. Bereits im Juli 2024 erhielt das Vorhaben den Förderzuschlag der Bundesnetzagentur. Die neue Energie-zentrale entsteht am Auenweg in unmittelbarer Nachbarschaft zum Klinikum Dessau. Aufgrund der sensiblen Lage wurden bei Planung und Genehmigung besondere Anforderungen an den Schallschutz berücksichtigt. Künftig wird die Anlage den zentralen Einspeisepunkt für das Teilnetz Zoberberg bilden und auch das Klinikum mit Wärme versorgen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant.
Fernwärme-Transformationsplan: Fahrplan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung
Der Bau der iKWK-Anlage am Zoberberg ist Teil des umfassenden Transformationsplans, mit dem die Stadtwerke Dessau ihre Fernwärmeversorgung bis spätestens 2045 vollständig klima-neutral gestalten wollen. Grundlage hierfür ist der Fernwärme-Transformationsplan, der die technische, wirtschaftliche und zeitliche Entwicklung der Fernwärmeversorgung in den kommenden Jahren beschreibt.
Im Mittelpunkt steht der schrittweise Umbau des heutigen Erzeugungssystems hin zu einem dezentralen, flexiblen und zunehmend regenerativen Erzeugungspark. Künftig sollen innovative Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Großwärmepumpen, industrielle Abwärme und weitere erneuerbare Wärmequellen gemeinsam die Versorgung der Stadt sicherstellen.
Die Stadtwerke Dessau danken allen beteiligten Planungsbüros, Baufirmen, Behörden und Fördermittelgebern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Unterstützung bei der Umsetzung dieses zukunftsweisenden Infrastrukturprojekts.

