Dessau-Roßlau, 14. August 2026 – Vom ersten Büssing-Omnibus bis zur modernen Bio-Erdgasflotte: Der Omnibusverkehr in Dessau-Roßlau schreibt seit 100 Jahren Mobilitätsgeschichte. Am 19. August 2026 feiert die Dessauer Verkehrs GmbH (DVG) dieses besondere Jubiläum. Seit der Inbetriebnahme der ersten beiden Kraftomnibuslinien im Jahr 1926 verbindet der Bus die Stadt und ihre Ortsteile – damals als wirtschaftliche Ergänzung zur Straßenbahn, heute als Rückgrat eines modernen, nachhaltigen und barrierefreien öffentlichen Nahverkehrs. Gleichzeitig nutzt die DVG das Jubiläum, um mit der Rückkehr des Busverkehrs in den Eigenbetrieb und einer vollständig erneuerten Busflotte die Weichen für die Mobilität der Zukunft zu stellen.
Die Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Dessau reicht jedoch noch weiter zurück. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts verkehrte mit der sogenannten „Knochenmühle“ ein pferdegezogener Linienomnibus. Das Fahrzeug erwies sich jedoch als wenig komfortabel und wurde mangels Fahrgästen bereits nach wenigen Monaten wieder eingestellt. Bereits seit der Jahrhundertwende verfügte Dessau zudem über eine Straßenbahn, die zunächst mit Gasmotoren betrieben wurde. Aufgrund technischer Mängel erfolgte bereits 1901 die Umstellung auf elektrische Straßenbahnen, die fortan das Rückgrat des städtischen Nahverkehrs bildeten.
Mit dem Wachstum der Stadt und der zunehmenden Industrialisierung entstanden neue Wohngebiete und Arbeitsstätten, insbesondere im Westen Dessaus sowie in Alten und Mosigkau. Da der Ausbau weiterer Straßenbahnstrecken wirtschaftlich nicht realisierbar war, entschied sich die damalige Dessauer Straßenbahngesellschaft für den Aufbau eines motorisierten Omnibusverkehrs. Am 19. August 1926 gingen die ersten beiden Linien Dessau–Alten und Dessau–Ziebigk-Siedlung in Betrieb. An Sonn- und Feiertagen wurde zusätzlich Großkühnau angefahren. Zum Einsatz kamen drei moderne Büssing-Omnibusse mit jeweils 28 Sitzplätzen, deren Aufbauten in der Dessauer Waggonfabrik gefertigt wurden. Die Entwicklung verlief rasant. Bereits Anfang der 1930er-Jahre war das Busnetz auf neun Linien mit einer Streckenlänge von mehr als 93 Kilometern angewachsen. Insgesamt standen damals bereits 16 Omnibusse mit über 500 Sitzplätzen zur Verfügung, die auch zahlreiche umliegende Gemeinden bedienten. Schon in dieser Zeit experimentierte man mit alternativen Antrieben und setzte versuchsweise Stadtgas als Kraftstoff ein.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Busverkehr stark beeinträchtigt. Aufgrund des Benzinmangels erfolgte 1942 erneut die Umstellung auf Stadtgas. Die schweren Luftangriffe auf Dessau im März 1945 zerstörten einen Großteil des Fahrzeugbestandes. Von mehr als 60 Omnibussen blieben lediglich drei Fahrzeuge erhalten. Dennoch gelang es bereits am 15. August 1945, den Linienverkehr auf zwei Buslinien wieder aufzunehmen. Zehn weitere Busse der Hersteller Mercedes-Benz sowie Gräf & Stift und acht Anhänger konnten instandgesetzt werden und hielten den Verkehr in der Nachkriegszeit aufrecht.
In den 1950er-Jahren begann der schrittweise Neuaufbau des Fuhrparks. Neben neuen Fahrzeugen wurden gebrauchte Berliner Doppeldecker des Typs Do 56 sowie Busse verschiedener Hersteller instandgesetzt und wieder in Betrieb genommen. Mit dem Ausbau des Liniennetzes nach Roßlau sowie in Orte des Kreises Zerbst übernahm der Busverkehr zunehmend Aufgaben, die zuvor von der Straßenbahn wahrgenommen wurden. In den 1980er-Jahren prägten schließlich die aus Ungarn stammenden Ikarus-Busse das Stadtbild. Mit 67 Fahrzeugen erreichte der Busbestand 1987 seinen historischen Höchststand.
Nach der deutschen Wiedervereinigung begann eine umfassende Modernisierung des Nahverkehrs. Bereits 1992 wurde die Busflotte mit 20 neuen MAN SL 202 deutlich verjüngt. Mit der Gründung der Dessauer Verkehrs GmbH (DVG) im Jahr 1993 wurden anschließend die Weichen für eine zukunftsfähige Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs gestellt. Bereits im Gründungsjahr setzte die DVG konsequent auf moderne Niederflurbusse und gehörte damit bundesweit zu den Vorreitern eines barrierefreien Nahverkehrs. Der stufenlose Einstieg erleichterte insbesondere mobilitätseingeschränkten Menschen, Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit Kinderwagen die Nutzung des Busverkehrs.
1994 wurde mit der Eröffnung des neuen Busbahnhofs am Bahnhofsvorplatz ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs vollzogen. Mit sieben Bussteigen entstand ein modernes Verknüpfungszentrum zwischen Bus- und Schienenverkehr, das bis heute den zentralen Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs in Dessau-Roßlau bildet. 1998 bezog die DVG ihre neue zentrale Betriebsstelle in der Erich-Köckert-Straße, in der Verwaltung, Leitstelle und Betriebshof an einem Standort zusammengeführt wurden. Damit schuf das Unternehmen die infrastrukturellen Voraussetzungen für einen leistungsfähigen und wirtschaftlichen Busbetrieb.
2001 leitete die DVG mit der Einführung einer der bundesweit ersten nahezu vollständig erdgasbetriebenen Stadtbusflotten eine neue Ära umweltfreundlicher Antriebstechnologien ein. Seit August 2002 prägten 20 moderne Erdgasbusse des Typs MAN A21 CNG das Stadtbild und machten Dessau zu einer der Vorreiterinnen umweltfreundlicher Antriebstechnologien im öffentlichen Nahverkehr. Nach dem Elbe-Mulde-Hochwasser 2002 erhielt die DVG zudem einen von MAN gestifteten Linienbus, der mit der Aufschrift „Wir sitzen alle in einem Bus!“ schnell zum Symbol der Solidarität und des Wiederaufbaus wurde. Für den Spätverkehr ergänzten ab 2009 vier Mercedes-Benz Sprinter City 35 das Angebot und sorgten auf den neu eingeführten Nachtlinien für eine bedarfsgerechte Mobilität.
Im Juli 2009 wurden das bisherige Regionalbusnetz der Otto Müller Omnibusbetrieb GmbH in und um Roßlau sowie das Dessauer Stadtbusnetz zu einem gemeinsamen Fahrplan- und Tarifgebiet zusammengeführt. Damit rückten Dessau und Roßlau auch im öffentlichen Nahverkehr enger zusammen. Einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt markierte die Direktvergabe des gesamten Straßenbahn- und Busverkehrs an die DVG zum 1. Juli 2017. Im Zuge dessen wurde das Liniennetz neu geordnet und bildet bis heute die Grundlage für das heutige Nahverkehrsangebot mit zehn Tages- und sechs Nachtbuslinien.
Mit zahlreichen Investitionen in Fahrzeuge, Infrastruktur und Service entwickelte sich der Busverkehr in Dessau-Roßlau über die vergangenen Jahrzehnte zu einem leistungsfähigen, modernen und nachhaltigen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs. Das Jubiläumsjahr 2026 markiert zugleich den Beginn eines neuen Kapitels in der Unternehmensgeschichte.
Neuausrichtung schafft die Grundlage für die Mobilität von morgen
Mit der Rückkehr des Busverkehrs in den Eigenbetrieb zum 1. Februar 2026 hat die DVG einen wichtigen strategischen Schritt vollzogen. Die eigenverantwortliche Organisation des Buslinienverkehrs schafft mehr Flexibilität, stärkt die betriebliche Kompetenz und eröffnet neue Möglichkeiten, das Nahverkehrsangebot künftig noch wirtschaftlicher, kundenorientierter und effizienter weiterzuentwickeln. Ein sichtbares Zeichen dieser Neuausrichtung ist die Inbetriebnahme der ersten elf von insgesamt 18 neuen MAN Lion’s City 12 G EfficientHybrid im Juni dieses Jahres. Die modernen Fahrzeuge werden vollständig mit Bio-Erdgas betrieben und verbinden einen besonders emissionsarmen Betrieb mit hoher Energieeffizienz und spürbar mehr Fahrgastkomfort. Mit der vollständigen Erneuerung der Busflotte investiert die DVG in eine klimafreundliche und wirtschaftliche Mobilität. Fahrgäste profitieren von barrierefreien Einstiegen, moderner Ausstattung und einem deutlich höheren Komfort.
Das Jubiläum steht zugleich für die Menschen, die den Omnibusverkehr in Dessau-Roßlau seit einem Jahrhundert prägen. Generationen von Fahrerinnen und Fahrern, Werkstattmitarbeitenden, Disponentinnen und Disponenten sowie viele weitere Beschäftigte sorgen Tag für Tag dafür, dass tausende Fahrgäste zuverlässig ihr Ziel erreichen. „100 Jahre Omnibusverkehr stehen für ein Jahrhundert Mobilität, Verlässlichkeit und Wandel“, erklärt DVG-Geschäftsführer Marco Franke. „Unser Busverkehr hat sich immer den Anforderungen seiner Zeit angepasst – von den ersten Büssing-Omnibussen bis zu den modernen Bio-Erdgasbussen. Mit der Rückkehr in den Eigenbetrieb und der neuen Busflotte schaffen wir die Grundlage für einen leistungsfähigen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Nahverkehr. Das Jubiläum würdigt unsere Geschichte und ist zugleich ein klares Bekenntnis zur Mobilität der Zukunft“, so Franke.
Aktionen zum Jubiläum „100 Jahre Omnibusverkehr in Dessau-Roßlau“
Anlässlich des Jubiläums bietet die DVG am Wochenende des 22. und 23. August 2026 erneut kostenlose Fahrten im gesamten ÖPNV-Angebot an.
Von Samstag, 22. August 2026, ab Fahrplanbeginn, bis Sonntag, 23. August 2026, bis Fahrplanende können alle Busse und Straßenbahnen im Liniennetz der DVG kostenlos genutzt werden. Die Fahrzeuge verkehren regulär nach Fahrplan. Fahrgäste benötigen während des Aktionszeitraums kein Ticket – einfach einsteigen und losfahren.
Darüber hinaus ist eine digitale Schnitzeljagd zur Geschichte des Omnibusverkehrs in Dessau-Roßlau geplant. Im Rahmen einer sogenannten Actionbound können Interessierte die 100-jährige Busgeschichte der Stadt auf interaktive Weise entdecken.
Alle Informationen zum Jubiläum finden Sie hier.
